Biosaatgut

Was ist Bio-Saatgut?

Wenn Saatgut mindestens die letzte Pflanzen-Generation auf einem biologisch wirtschaftendem Betrieb vermehrt wurde, handelt es sich um Bio-Saatgut. Einige Anbau-Verbände und Betriebe gehen in Ihrem Verständnis von „Biosaatgut“ jedoch weit über diese Mindestanforderung hinaus.


biologisches saatgut

Biologische Landwirtschaft

Die Begriffe ökologische oder biologisch Landwirtschaft sind durch die EU-Bioverordnung geschützt. Sie bezeichnen die Herstellung von landwirtschaftlichen Erzeugnissen mit nachhaltigen und umweltschonenden Produktionsmethoden. Die ökologische Landwirtschaft verzichtet weitgehend auf mineralische Düngemittel und den Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel.
Die Einhaltung der sehr umfangreichen Vorschriften wird durch die Öko-Kontrollstellen gewährleistet. Diese kontrollieren regelmäßig alle Betriebe, vom Produzenten bis zum Einzelhandel, die biologische Produkte erzeugen bzw. verkaufen. Landwirtschaftliche Betriebe werden mindestens einmal jährlich kontrolliert. Sie sind verpflichtet alle Produktionsschritte genau zu protokollieren. So wird die Rückverfolgung bis zum Erzeuger sichergestellt. Damit ist die Öko-Kontrolle eine der vertrauenswürdigsten Zertifizierungen des Vebraucherschutzes.

Die Vorteile von Biosaatgut

Biologisch erzeugte Samen sind nicht gentechnisch verändert. Düngung und Pflanzenschutz (Schädlingsbekämpfung) erfolgen nach den Regeln der biologischen Landwirtschaft.

Durch den Verzicht auf die in der konventionellen Landwirtschaft gängigen mineralischen Düngemittel und chemischen Insektiziden und Herbiziden sind Biosaaten weitgehend unbelastet.

Es ist keine chemisch-synthetische Behandlung des Saatguts erlaubt.

Ökologisch erzeugtes Saatgut ist nicht gentechnisch verändert.

Bei konventionellem Saatgut findet heute meistens nur noch die Zucht in Europa statt. Die eigentliche Vermehrung erfolgt in klimatisch begünstigten Ländern, z.B. in Afrika. Das ist zwar praktisch für die von der Witterung stark abhängige Saatgutvermehrung, könnte aber eine unerwünschte Anpassung der Sorten an warmes, trockenes Klima zur Folge haben und für HausgärtnerInnen in Mitteleuropa nachteilig sein. Viele, vor allem kleinere Bio-Saatgut Erzeuger vermehren ihr Saatgut ausschließlich in Europa.

F1 Hybride oder samenfeste Sorten?

Einige Anbieter beschränken sich vollständig auf „samenfeste Sorten“, d.h. Es werden keine Hybride verkauft. Dies ist nicht zwingend für den Bioanbau erforderlich. Tatsächlich handelt es sich sogar bei einem großen Teil des in Bio-Qualität verkaufen Gemüses um Hybrid-Sorten.

Hybridsorten sind so etwas wie „Einmalsorten“. Sie können praktisch nicht weiter vermehrt werden und das Saatgut muß jährlich neu gekauft werden.

Das liegt an der speziellen Eigenart der Hybrid-Züchtung: Bei der Hybridzucht werden zunächst zwei sogenannte Inzuchtlinien einer Sorte ausgewählt und dann gewisse Eigenschaften über viele Generationen durch bewusste Inzucht und anschließende Selektion verstärkt. Diese Zuchtlinien werden anschließend miteinander gekreuzt. Daraus resultiert dann das sogenannte F1 Hybrid-Saatgut. In neuerer Zeit kommen bei der Hybridzucht verstärkt gentechnische Verfahren zum Einsatz. Das alles geschieht, da Hybridsorten in einem hochintensiven Landwirtschafts-System eine Maximierung der Erträge bringen kann. Ausserdem spielen Sortenschutz-Überlegungen eine Rolle, da Hybridsorten nicht weitervermehrt erde werden können und somit eine Art eingebauten Kopierschutz besitzen. Würde man eine Hybridsorte abblühen lassen, die Samen ernten und erneut aussäen kommen dabei Pflanzen mit völlig unterschiedlichen und häufig unbrauchbaren Eigenschaften heraus. Landwirte sind somit auf erneuten Zukauf von Saatgut angewisen.
Sogenannte „Samenfeste Sorten“ können jedoch selbst weitervermehrt werden.

Da Kulturpflanzen-Sorten auch als Menschliches Kulturerbe verstanden werden, sehen einige Kritiker der Hybridzucht darin auch eine

Bedrohung eines uralten Kulturgutes.

Bio ist nicht gleich Bio

Saatgut darf nach den EU Vorschriften für den ökologischen Landbau schon dann Biosaatgut genannt werden, wenn es einmal auf einem anerkannt ökologischem Betrieb vermehrt wurde. Einige Betriebe sind jedoch in speziellen Anbau Verbänden (Bioland, Demeter, Naturland, Biokreis, Gäa und andere) organisiert, die z.T. Weit über die EU Regelungen hinausgehende Vorschriften haben.

Besonders hervorzuheben ist hier der Demeter Verband.
Demeter-Betriebe wirtschaften nach den Erkenntnissen der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Diese geht auf die anthroposophische Weltanschauung von Rudolf Steiner zurück. Grundlage ist der „Landwirtschaftliche Kurs“, eine Sammlung mehrerer Vorträge Steiners.

Einige Richtlinien bezüglich der biologisch-dynamischen Saatgutvermehrung:

  • Keine Hybridzucht und keine Hybridvermehrung.
  • Keine Sorten aus Protoplasten/Cytoplasten Fusion (ein umstrittenes Zuchtverfahren im Grenzbereich zur Gentechnik)
  • Möglichst langjährige biologisch Vermehrung
  • Eigene Biologisch-Dynamische Zucht (Selektion nach Vitalität, Aroma und Bekömmlichkeit)
  • Düngung ist an Tierhaltung gekoppelt
  • Ganzheitlicher Ansatz
  • Eine wesentliche biologisch-dynamische Maßnahmen ist die Herstellung und Anwendung sogenannter „Präparate“, die z.B. in Wasser verdünnt auf Boden und Pflanzen gespritzt werden, um die Vitalität der Pflanzen zu verbessern.
  • Bei der Aussaat werden Gestirnkonstellationen berücksichtigt.
  • Der Torf-Verbrauch wird minimiert und dafür verstärkt Kompost eingesetzt

„Wem gehört die Saat?“

Abschließend soll noch kurz auf ein wachsendes Problem des Saatgut-Marktes hingewiesen werden – die Monopol-Bildung. Etwa 95 Prozent des EU-Marktes sollen in den Händen von nur fünf Unternehmen liegen, die auf das engste mit Chemischen Konzernen verbunden sind. Züchtung und die Saatgutverbreitung sind ein hoch-gewinnorientiertes Geschäft geworden mit allen daraus Resultierenden negativen Folgen.