Ephedra (Meerträubel)

Nutzung:

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Umgangssprachliche Namen: Meerträubel, Máhuáng, Ma Huang, Mormonentee, Ephedra
Ethnobotanisch signifikant sind u.a.: Ephedra sinica, Ephedra nevadensis, Ephedra distachya, Ephedra helvetica und viele weitere.

Ephedra Arten gehören wohl zu den ältesten als Medizin und Genußmittel verwendeten Pflanzen. Scheinbar war schon den Neandertalern die stimulierende Wirkung des Meerträubels bekannt.

Ephedra helvetica
Ephedra helvetica im Garten
Ephedra nevadensis
Ephedra nevadensis

Weltweit soll es etwa 40 Meerträubelgewächse (Ephedraceae) geben, die sich von Laien kaum unterscheiden lassen. Ephedra gehört wie die Nadelbäume zu den "Nacktsamigen Pflanzen", einer entwicklungsgeschichtlich sehr alten Pflanzengruppe. Meist sind es kleine Sträucher, die besonders durch ihre blattlosen dünnen Zweige auffallen. Das Verbreitungsgebiet ersteckt sich über weite Teile Asiens, Nordafrika, Amerika und Europa. Häufig werden trockene Plätze im Gebirge oder an Küsten und Flussufern besiedelt. In Europa kommen Ephedra Arten vor allem an den Küsten des Mittelmeers aber auch an Flußufern in Frankreich oder im Alpenraum vor.

Ethnobotanik

Die ältesten Hinweise über die Nutzung von Ephedra stammen aus der Zeit um ca 28000 v. Chr. In einer Neandertaler Grabstätte bei Shanidar im heutigen Irak wurden Überreste der Pflanze (vermutlich Ephedra distachya), zusammen mit anderen Kräutern gefunden. Ob die Neandertaler die Pflanze als Heilmittel oder als Stimulanz verwendet haben ist unklar.

Auch in der traditionellen Chinesischen Medizin hat Ephedra eine Jahrtausende alte Geschichte. Bereits vor 6000 Jahren fand das Ma Huang genannte Kraut von Ephedra sinica Einzug in die Materia Medica und wird seitdem im großen Umfang als Heilmittel bei Erkältungen und Atemwegserkrankungen eingesetzt.
Bei Ausgrabungen einer 3000 Jahre alten Tempelanlage in der Karakorum-Wüste im heutigen Turkmenistan wurden Überreste eines Ephedra-haltigen Getränks entdeckt. Möglicherweise wurde die Pflanze in religiösen Zeremonien von Priestern konsumiert.
Auch amerikanische Arten wie Ephedra nevadensis wurden bereits in präkolumbischer Zeit als Heilmittel verwendet.

Verwendung

Heute wird Ephedra wegen seiner Alkaloide Ephedrin, Norephedrin und N-Methylephedrin vor allem als Heilpflanze verwendet.


Ephedra-Kraut ist
in Deutschland
verschreibungspflichtig

In Deutschland ist Ephedra-Kraut zur Zeit ein rezeptpflichtiges Arzneimittel und wird kaum noch verschrieben obwohl es scheinbar wesentlich verträglich ist als synthetische Ephedrine. Ephedrin hat Ähnlichkeiten mit dem körpereigenen Hormon Adrenalin und ist chemisch mit Amphetaminen verwandt. Es kann kreislaufstimulierend, antriebs- und leistungssteigernd sowie appetithemmend wirken. Es erweitert die Bronchien und wirkt daher lindernd bei asthmatischen Beschwerden. Als stark wirksamme und nicht ungefährliche Substanz unterliegen Ephedrin und auch Ephedra-Kraut in vielen Ländern gesetzlichen Regelungen. So sind z.B. in Deutschland laut Grundstoffüberwachungsgesetz (GÜG), Besitz und Erwerb von Ephedrakraut melde- und genehmigungspflichtig.
In der chinesischen Medizin ist Ma Huang ein häufig eingesetztes Mittel bei Erkältungskrankheiten, Allergie und Atemwegserkrankungen. Meist wird es in komplexen, auf den Patienten abgestimmten Rezepturen verabreicht.
In den USA sind Ephedra-Präparate als Schlankheits-Mittel bekannt. Auch als Doping-Mittel zur Leistungssteigerung wurde das Meerträubel eingesetzt.

Wegen seiner amphetaminähnlich Inhaltsstoffe ist das Kraut auch als anregendes Genußmittel sehr beliebt. Früher war ein als "Mormonentee" bekannter Aufguß aus Ephedra nevadensis bei den Angehörigen der "Kirche Jesu Christi der Heiligen der Letzten Tage" ein beliebtes Erfrischungsgetränk.

Auch als Nahrungsmittel spielt Ephedra eine gewisse Rolle. Die Samen und Früchte sollen zu Nahrungszwecken verwendet worden sein.

Anbau

Für den Anbau in Mitteleuropa eignen sich besonders das heimische Ephedra helvetica (Syn. Ephedra distachya subsp. helvetica) und das asiatische Ephedra sinica (Ma Huang). Ephedra sollte nicht direkt in den Garten gesät sondern im Haus vorgezogen werden. Ausgewachsene Pflanzen sind äußerst robust und tolerieren auch Nässe und starken Frost. Als relativ langsam wachsende Art wird Ephedra schnell von anderen Wildkräutern überwuchert, was gelegentliches Jäten erforderlich macht.


Blühende Ephedrapflanze und rote Früchte mit Samen

Ephedra Samen

Meerträubelgewächse sind zweihäusig. Das bedeutet es sind männliche und weibliche Pflanzen zur erfolgreichen Befruchtung und Gewinnung von Saatgut erforderlich (also mindestens zwei Pflanzen). Aus den unscheinbaren Blüten bilden sich rote "Beeren" mit dunklen Samen.

Die Aussaat erfolgt am besten in sandige Erde. Die Samen sollten auf dem Substrat nur festgedrückt und nicht, oder nur mit einer dünnen Schicht Erde bedeckt werden. Obwohl die Samen bei Wärme gut keimen, verlangen die Sämlinge viel Aufmerksamkeit. Staunässe ist ein häufig auftretendes Problem, die Erde darf aber auch nicht austrocknen. Gut eignet sich mineralische Kakteenerde oder sandige Erde. Später fördert gelegentliches Beschneiden das Wachstum. Ausgewachsene Pflanzen können auch über Absenker vermehrt werden.

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